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Full text of "Das augsburger Interim in Strassburg [microform] : Inaugural-Dissertation ..."

MASTER 
NEGATIVE 



NO 



93-81699-8 



MICROFILMED 1993 
COLUMBIA ÜNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



as part of the 
"Foundations of Western Civiiization Preservation Project" 



Funded by the 
NATIONAL ENDOWMENT FOR THE HUMANITIES 



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copy Order if, in its judgement, fulfillment of the order 
would involve violation of the Copyright law. 



AUTHOR: 



BLEECK, LUDWIG 



TITLE: 



DAS AUGSBURGER 
INTERIM IN 
STRASSBURG . . 



PLA CE: 



BERLIN 



DATE: 



1893 



Restrictions on Use: 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 

BIBLIOGRAri HC MICROrORM TARGET 



Master Negative ff 



Original Material as Filmed - Existing Bibliographie Record 



t"' -"^ertatJon 



P43:jt3 Blecck, Ludvdg 

Z8 Dan au^r.burijer intorin in Strassburg 

Berlin 1393 



( > 



TECHNICAL MICROFORM DATA 

FILM SIZE: '^±^_ REDUCTION RATIO: nj2£_ 

IMAGE PLACEMENT: lA UlA^ IB IIU -, 

DATE FILMED: fÄJzjJ'^ INITIALS A&L.^ 

HLMEDBY: RESEARCH PUDLICÄTKDNS. INC WOODDRIDGE. CT 




c 




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1100 Wayne Avenue. Suite 1100 
Silver Spring. Maryland 20910 

; 301/587-8202 




Centimeter 

12 3 4 5 



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MfiNUFfiCTURED TO nilM STfiNDfiRDS 
BY APPLIED IMnCE, INC. 




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AIGSBÜR« IJtTERl W STRASSBIRG. 



—.—<•►— ^-^ 



INAUGÜRAL-DISSERTATION 

ZUR 

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 

VON DER 

PHILOSOrinSCHEN FAKULTÄT 

DER 

FRlEFmi(H-WILHEI.MS-lMYERSlTÄT IV BERLIN 

GENEHMIGT 

UND NKBST DKN BETGKFÜGTEN THESKN ÖFFENTLICH VERTEIDIGT 

AM 26. SEPTEMBER 
VON 

LUDWIG BLEECK 

AUS BERLIN. 



OPPONENTEN: 

Herr Cand. phil. KURT SCHOTTMÜLLER. 
Herr Cand. med. RICHARD ARNHEIM. 
Herr Dr. phil. FELIX SALOMON. 



BERLIN 1893. 

GEDRUCKT IN DER KÖNIGL. HOFBUCHDRUCKEREI VON E. S. MITTLER & SOHN 

KOCHSTRASSE 08-70. 



Im Folgenden ist nur ein Teil der Arbeit abgedruckt. 




Der vorliegende Teil der Arbeit, welcher die „Yer- 
handlimgen Strassbiirgs mit Karl V. über die Annahme des 
Interims bis zum Kölner Abschied" darzustellen versucht, 
führt bis in den September 1548, da der Rat dem Willen 
des Kaisers nicht länger zu widerstreben wagt und sich dem 
Interim scheinbar unterwirft. Diese Vorgänge sind schon 
von T. W. Röhrich und Yicomte M. Th. de Bussierre 
behandelt worden, doch von jenem so gedrängt, von diesem 
mit so Avütendem Hass gegen alles, was protestantisch ist, 
dass diese Arbeit dieselben wesentlich zu berichtigen und 
zu ergänzen hoffen darf. 



I. 



Verzeichnis der Abkürzungen. 



AA... = 

Mem. = 

P. r. B bez. C. = 

Tir. 25 Int. 1,2,) ^ 
- 26 Int. 3, 4J 

Thes. Baum. = 



Ötrassburji:, Stadtarchiv, Serie AA, Faszikel.. 

Stadtarcliiv: Memorial der Herren llälit 
und XXI; 1548. 

Thomasarchiv ; Pieces relatives ä l'In- 
terim: Band B bez. C. 
Thomasarchiv. Ilistoire de l'Eglise 
protestante. Tiroir 25 et 26. In- 
terim 1 — 4. 

IMiesaurus Baumianus sive epistolicus 
reforniutornm Alsaticorum ; Strassburg. 
Kais. Bibl. 



Bussierre. Vicomte M. Th. de, Histoire du developpement du 
Protestantisme a Strasbourg et en Alsace. Tome I. Stras- 
bourg 1859. 

V. Druffel, Beiträge zur Reichsgeschiclite. Bd. t u. III. 

Holländer, A., Strassburg im schmalkaldischen Kriege. Strass- 
burg 1881. 

Papiers d'etat du (iirdiiial de Granvelle. Bd. HI. 

Ribier, Lettres et Memoires d'Estat etc. Bd. II. 

Köhrich, Geschichte der Reformation im Elsass und besonders in 
Strassburg. Bd. IL Strassburg. 

Sie i dun, Commentarii ed. um Ende. 



Verhandlungen Strassburgs 

mit Karl V. über die Annahme des Interims 

bis zum Kölner Abschied. 

(Juni Ms September 1548.) 



Strassburg hatte während des ganzen Winters 1547 
auf 48 seinen grossen Städtmeister Jakob Sturm, einen der 
drei Gesandten auf dem Reichstage zu Augsburg, an einer 
Vereinigung der protestantischen Stände arbeiten lassen, 
welche der durch die Übermacht und den offenkundigen 
Willen Karls V. gefährdeten neuen Lehre zum Rückhalte 
dienen sollte.^) Jedoch alle Bemühungen waren vergebens 
und wenn auch noch nach der Verkündigung der kaiser- 
lichen Glaubensordnung der Rat sein Vorhaben nicht auf- 
geben wollte, musste er sich doch bald von Sturm über 
zeugen lassen, dass die Furcht der Stände vor dem Zorn 
des Kaisers und der Widerwille und das Verbot Karls 
gegen jede Verbindung derselben alle dahin zielenden Be- 
strebungen vereitelte.^) 

Jeder für sich hatten Fürsten und Städte um die Aus- 
führung des Interims mit dem mächtigen Kaiser sich zu 



1) AA. 563. 567. 568. Briefweclisel der Gesandten Jakob Sturm, 
Marx Hag und Johann v. Odratzheim mit Rat und Dreizehnern zu 
Strassburg. 

2) Ges. an XIII, Mai 21, pr. 25; an Rat, Juni 10, pr. 18; AA. 
567; Rat an Ges. Juni 3, enipf. Juni 7: P. r. B. 119: Juni 11, empf. 
16; ib. 115. 



\ 



6 

vergleichen — denn nur mit den Einzelnen wollte dieser 
verhandeln —, und als er im Lauf des Juni an fast alle 
Städte die Forderung stellte, das Interim unverziiglich und 
unbedingt zur Ausfiihi-ung zu bringen, wagten im Ober- 
lande allein Konstanz und Lindau den Gehorsam zu ver- 
sagen.') 

Nur Strassburg hatte bis Ende Juni keine Aufforderung 
erhalten, was als höchst auffällig allgemein bemerkt wurde 2) 
und Jakob Sturm sehr bedenklich schien. Er glaubte dem 
Kaiser die Absicht zuschreiben zu müssen, Strassburg, das 
als das Haupt der Städte auf dem Reichstage galt, einmal 
jeden Einfluss auf deren Haltung zu nehmen, indem er es 
Von den Verhandlungen ausschloss und sodann einer Er- 
hebung der Stadt für ihren Glauben dadurch jede Aussicht 
auf Erfolg zu rauben, dass er zuvor die anderen grossen 
Gemeinden zur Unterwerfung vermochte. Dieser Annahme 
lag ein Gerücht zu Grunde, das sich mit grosser Zähigkeit 
])ehauptete und durch Drohungen kaiserlicher Diener wohl- 
begründet erschien, dass nämlich der Kaiser Strassbm-g 
mit Waffengewalt zur Ausführung des Interims zwingen 
wolle.-^) So gross war das Ansehen, welches diese Stadt 
der Vereinigung religiöser Festigkeit mit kriegerischer 
Tüchtigkeit und der Gunst ihrer Lage an den Grenzen 
zweier erbitterter Gegner verdankte, dass selbst Karl V. 
ihr gegenüber sein Verhalten vorsichtig berechnen zu 
müssen schien und in der That berechnen zu müssen 
glaubte. Doch vielleicht nicht aus dem Grunde und in 
der Absicht, welche Sturm anführt — obgleich es gewagt 
erscheint, einem so feinen und erfahrenen Beobachter, wie 
er es ist, nur mit Vermutungen entgegenzutreten — , sondern 



1) Ges. an Eat und XlII Juni 3, 6, 10, 14, 18, 24, 26, 29: A A. 567, 
ausführliche Nachrichten über die Verhandlungen des Kaisers mit den 
süddeutschen Städten vgl. Ranke: Deutsche Gesch. VI^ 287 ff. Be- 
richt des Frankfurter Gesandten Conrad Humbrecht. 

2) Ranke VI»^ 290; Ges. an XIII: Juni 18, pr. 24: AA. 567. 

3) Ges. an Rat: Juni 3; an XIII Juni 18, pr. 24; AA. 567. 



vornehmlich aus Besorgnis vor einer Verbindung Strass- 
burgs mit Frankreich oder den Eidgenossen.^) 



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u 



t 



1) So auch Drufifel, III. S. 127: „Man wird nicht fehlgreifen mit 
der Annahme, dass Rücksichten auf Frankreich und die Schweiz die 
kaiserliche Mässigung veranlassten", die in der That sehr weit ging; 
dagegen scheinen zwei Zeugnisse zu sprechen, das des Strassburger 
Geschäftsträgers und das des französischen Gesandten am kaiser- 
lichen Hofe. Jener, Jakob zum Deich, schreibt am 30. August 1548 
aus Speier an Jakob Sturm (AA. 569, ohne Datum und Unterschrift 
folio 19. 20\ ein Teil des Hofes sei der Meinung, der Kaiser sehe 
WidersetzHchkeit seitens Strassburgs lieber als Gehorsam, „aus Ur- 
sachen, dass sie (Kais. Mt.) vermeint, der Franzos oder die Schweizer 
sollen sich dessen annehmen mid dadurch auch in Ansprache fallen, 
und ob dasselbig gleich nicht bescheheu, die Stadt durch ihr Wider- 
setzen eigen zu machen.'- Dieser, Marillac, weiss am 20. Juni 1549 
Heinrich H. aus Brüssel zu melden, der Kaiser habe auf Beschwerden 
des Strassburger Klerus über die Ausschreitungen der Bürgerschaft 
und auf seine Bitten um Abhilfe geantwortet, „pour toute reponse et 
consolation, . . . que puisqu'ils n'ont pas permis qu'il usat de la force, 
pendant qu'il etait sur les lieux il faut en attendant son retour 
qu'ils temporisent." (Ribier II, 218.) Aber Deich berichtet nur die 
Meinung doch nicht eben massgebender Personen und bei Marillac 
lässt sich aus den Worten „sur les lieux" nicht einmal entnehmen, ob 
sie sich auf das Jahr 1548 beziehen. Was Karl am 12. Juli 1549 
seinem Bruder sagen liess, dass eine Unternehmung gegen Strassburg 
„pourroit allumer grand feu en la Germanie que ne peut aucunement 
convenir, et se trouveroit Ton empeche ä l'extaindre et qu'il ne 
seroit convenable raouvoir en ce couste lä" (Druffel I. S. 247) traf unter 
den mindestens ebenso ungünstigen Umständen 1548 ebenso zu wie 
damals, und es möchte doch mehr als nur ein „Anschein" sein, den 
sich die kaiserliche Politik Ferdinand gegenüber gegeben, indem 
Karl sich von den Zugeständnissen Strassburgs an den Bischof be- 
friedigt erklärte, wenn wir die gleiche Befriedigung in der nur andert- 
halb Monate älteren Instruktion des Kaisers für seinen Gesandten am 
französischen Hof finden. (Papiers de Granvelle III, 365; Brüssel 
1549 Mai 28.) „Et quant ä la confederation de ceulx de Strasbourg 
avec lesdicts des ligues, lesdicts de Strasbourg onct icy leur depute, 
qui certiffie fort et asseure qu'il n'est rien comme aussy semble 
estre vraysemblable et mesme qu'il est v^enu icy pour Vacceptation 
de rinterim." Die Furcht vor „Practiques" der Franzosen ruht aller- 
dings niemals. Dass Karl weder 1548 nach 1549 einen Krieg zu 
führen wünschte, ihn vielmehr immer zu vermeiden bestrebt ist, geht 
aus seiner Korrespondenz deutlich hervor. 



y\ 



8 

Wenn auch von Beziehungen Strassburgs oder auch 
nui- der festen Agenten der französischen Krone zu dieser 
aus dem Jahre 1548 nichts bekannt und der Umfang der 
Befürchtungen des Kaisers vor solchen nicht zu bestimm'en 
ist, steht doch so viel fest, dass die Franzosen jede feind- 
liche Regung der Strassburger gegen den Kaiser und das 
Interim mit Freuden vernahmen und Karl zu wissen 
glaubte, französische Praktiken würden nach wie vor in 
der Stadt mit Erfolg gegen ihn geübt und geduldet.^) Im 
Rat und vollends bei Jakob Sturm ^) fürchtete er zwar 
keiner Neigung zu Frankreich zu begegnen, um so mehr 
aber bei der Bürgerschaft, und der Eifer, mit dem der 
Rat bei jedem Bedacht für die Schöffen die Unthunlichkeit 
eines Bündnisses mit fremden Mächten^) aus politischen 
und religiösen Gründen darzulegen sich beuiühte,^) zeigt 
am besten, wie volkstümlich der Gedanke einer solchen 



1) Cl. du Bellay an Montmorency. Druffel I, S. 118. 

2) Am 28. Juni sagte Granvella Jakob Sturm: .Für seine Person 
ohne Befehl, dass K. Mt. gewisse Kundschaft hätte, dass in Frank- 
reich grosse T^eute sich hören liessen und berühmten, sie wüssten, 
dass die von Strassburg das Interim nicht annehmen würden. Auf 
das sagt der Hase (kaiserl. Vizekanzler), das bringt der Stadt einen 
grossen Verdacht bei der Kais. Mt." Als Sturm jede Gemeinschaft 
mit den Franzosen ableugnete, sagte Granvella: ,Der die Franzosen 
kennt, verlass sich nit viel auf sie." (AA 568 „Handlung zwischen 
uns und dem Herrn von Granvella".) — Später warnte der Kaiser 
bei jeder Gelegenheit die Stadt vor Verhandlungen mit Frankreich. 
Dass diese „Umtriebe sich bis zur Gefahr der Entfremdung vom 
Vaterlande" gesteigert hätten, ist eine Erfindung Bartholds: Deutsch- 
land und die Hugenotten. Bremen 1848. S. 42. 

3) Karl an Renard: 1549 Mai 28: „Jacques Sturmius, que Ton 
a toujours treuve obstine contre lesdicts Franyois."* Papiers de 
<^ranvelle HI, 365. — Instruktion Karls für Chantomiay: 1549 Juli 12: 
„Aussy luy direz vous ... au regard des pratiques Fran9oises que 
ce que l'on met de Sturm de la partie le nous fait descroire, selon 
que Ton a connu de toutes ses actions passees." Druffel I, 

S. 248. 

4) Weder Frankreichs noch der Eidgenossen wird dabei namentlich 

Erwähnung gethan, aber unverkennbar auf sie gedeutet. 

5) Bedacht für die Schötfen 1548 August 27. 1549 Januar 23. 



9 

Verbindung, sei es mit Frankreich, sei es mit den Eid- 
genossen, war. Aber der Rat, von Jakob Sturm beraten, 
war durchaus dagegen.^) Denn auch aljgesehen von der 
grundsätzlichen Frage, deren Beantwortung Sturms religiöse 
Gewissenhaftigkeit sich nicht ersparte, ob Widerstand 
gegen den Kaiser, die von Gott gesetzte Obrigkeit, selbst 
zum Schutz der reinen Lehre erlaubt sei,^) war Sturm 
üljerzeugt, dass Strassburg bei der ersten Gelegenheit von 
seinen Verbündeten würde preisgegeben werden. War also 
ollene Widersetzlichkeit gegen des Kaisers Befehle weder 
aus politischen Griinden ratsam , noch aus religiösen un- 
bedingt zu rechtfertigen, so durfte der Rat eine teilweise 
oder völlige Aufhebung des Interims nur durch Bitten 
oder Verhandlungen zu erreichen suchen."^) Diese Ansicht 
hat sich Sturm vor aller Verhandlung mit dem Hof gebildet, 
trotz mancher Anfechtung festgehalten und durch den Erfolg 
einer langwierigen und schwierigen Unterhandlung bewährt. 
Vom Kriege erwartete er den Untergang der Vaterstadt 
und der Religion zugleich. Zu bedingungsloser Unter- 
werfung wollte er sich nicht verstehen, und damit traf er 
den Sinn der Bürgerschaft wie der einflussreichen Prediger. 
Mit vorsichtiger, der Grenzen ihrer Macht sich stets be- 
wusster, aber innerhalb derselben unerschütterlicher Klugheit 
hat er die Predigt des Wortes Gottes in Strassburg nicht 
ungeschmälert, aber in höherem Grade erhalten, als es der 
Macht und dem Willen Karls V. gegenüber möglich zu 

sein schien. 

Um der Aufforderung, das Interim anzunehmen, die 
der Kaiser doch schliesslich an Strassburg richten wiirde, 
wohlvorbereitet begegnen zu können, bat Sturm den Rat, 
eine Widerlegung der schlechthin unannehmbaren Sätze 
des Interims von Martin Butzer anfertigen zu lassen und 
auf Grund dieses Gutachtens den Kaiser um Aufhebung 
seiner Glaubensordnung zu bitten. Dies Ersuchen sollte 

1) Tir. 26. Int. 4. Notes manuscrites de J. Sturm. Entwurf zu 
dem Bedacht für die Schöffen 1548 Juli 23. 

2) Sturm an XIII 1548 Juni 29. AA. 567. 



10^_ 

durch einen Hinweis auf die Gefahr unterstützt werden, 
welche bei der Erregung der Bürgerschaft von einer so 
einschneidenden und unvermittelten Aenderuug des Gottes- 
dienstes und der Lehre zu befürchten sei.^) Der Eat gab 
Butzer und den iil)rigen Pfarrern dahin lautenden Auftrag,^) 
aber diese gingen schon hier i'iber die mit voller Absicht 
gesteckte Grenze hinaus, indem sie, statt nur die an- 
stössigsten Punkte des Interims zu Aviderlegen, alle Irrtiimer 
— und sie fanden deren in jedem Artikel — aufzeigten 
und die ganze Ordnung als unannehml)ar verwarfen.-'^) Erst 
nach neuen Vorstellungen des Rats verstanden sicli die 
Prediger dazu, ohne auf die Lehre näher einzugehen, aus 
Gründen der Gerechtigkeit um die Aufhebung des Interims 
zu bitten. Sie führten aus, dass dasselbe nicht als eine 
Vergleichung der beiden Bekenntnisse angesehen werden 
könne, wie der Kaiser sie versprochen habe, da es aus- 
schliesslicli gegen die neue Lehre gerichtet sei, die alte 
unverändert bestehen lasse. Eine Verhandlung über die 
Bekenntnisse, auf Grund deren ein Vergleich allein zu 
Stande kommen könne, habe gar nicht stattgefunden. Daher 
sei die Bitte gerechtfertigt, den Mitgliedern der neuen 
Kirche Lehr- und Glaubensfreiheit zu gewähren oder einer 
Versammlung ihrer Lehrer eine Vereinbarung darüber 
vorzubehalten, wieweit das Interim mit Gott und Gewissen 
anzunehmen sei.^) Das entsprach Sturms Ansicht, der von 
religiösen Gründen keine Beeinflussung des Kaisers erhoffte, 
weit besser als die schroffe Abweisung, welche jede Ver- 
handlung von vornherein ausschloss. 

Eine bindende Erklärung ül)er die Annahme des In- 
terims wimschte Sturm, und mit ihm der Rat, möglichst 



1) Sturm an XIII 1548 Mai 21. pr. 25. AA 567. 
52) Mem. Mai 26. 28. 

3) Mem. Juni 1, die erste Prediger-Schrift an die Gesandten 

geschickt. 

4) Ges. an Rat. Juni 10. pr. 18, AA 567. Mem. Juni 18, 27, 
28, 30. Grosse Prediger-Schrift. P. r. B. 65-114; Tir. 25, Int. 1 
Xo. 4. 



I 



11 

lange hinauszuschieben. Daher war sowohl eine Ablehnung 
in Form öffentlicher Protestation , wie gänzliches Still- 
schweigen, das als Zustimmung aufgefasst werden konnte, 
zu vermeiden. Die Auskunft, dass die Gesandten sich 
unter dem Vorwand mangelnder Vollmachten der Ent- 
scheidung entziehen sollten, konnte allerdings nicht lange 
vorhalten, war aber immerhin geeignet, einen kleinen 
Aufschub zu l»ewirken, und dieser konnte von Bedeutung 
werden. Denn Kurfürst Moritz hatte sich über das Interim 
noch nicht erklärt, und wenn er im Widerstände beharrte, 
konnte Strassburg entweder an ihm einen Bückhalt zu ge- 
winnen oder am Kaiser einen wohlwollenderen Gegner zu 
finden hoffen.^) In diesem Fall Hess sich die ganze An- 
gelegenheit vielleicht erledigen, ohne dass der Rat die 
Schöffen zu befragen brauchte, deren Einwilligung er bei 
der Entscheidung über die Annahme nicht übergehen, aber 
wenigstens dann nicht erwarten durfte, wenn diese ohne 
Verzug gefordert wurde. 2) Denn die Erbitterung der 
Büro-erschaft über das Interim war so gross, dass der Rat 
sie noch mehr als den Unwillen des Kaisers fürchtete und 
diesen ungebiihrlich lange auf Antwort warten liess, als 
er endlich am 28. Juni Strassburg seinen Willen kund 
thun liess, zwar sehr gemessen, aber doch weit glimpflicher, 
als es Sturm gehofft hatte. ^) Vor allem bestätigte die 

iTOes-^an Rat. Juni 3, pr. 7. AA 567; Rat an Ges. Juni 11, 
empf. 16. R r. B. 115; Juli 4. P. r. B. 129; Mem. Juni IL 

2) Mem. Juni 1, 25. Juli 16, 18, 21, 23; Juni 25: l^rkamit, 
dieweil man in solchen und dergleichen wichtigen Sachen nit ohne 
die Schöffel zu schliessen oder zu thun, und es doch letzhch für die- 
selben kommen muss, So soll man es zu bedenken geben, was zu thun 
und lassen, für Gefährden darauf stünden und sieh gefasst machen 
wo es von Nöten, wie man es für die Schöffel bringen wollt. 
Juli 23- Der Amman soll den Schößen allein sagen, .dass die Frag 
allein darum sei, ob man weiter bitten soll und nit darum, 
ob maus annehmen soll oder nit annehmen w^öll, dass man 
auch nit soll gebieten zu scliweigen, auf dass die Schöffen etwa andere 

Bürorer möchten stillen." 

3) Ges an Rat Juni 26: AA 567. .versehen wir uns nunmehr 
nichts Andres, denn dass wir auch beschickt, und mit uns gleich wie 



12 



Unterredung mit Granvella und Heinrich Hase die friihero 
Wahrneliimmg Sturms, *) dass der Kaiser Strassburg anders 
behandle als die iibrigen Städte, ohne dass er auch diesmal 
die Grlinde und die Absicht dieses Verhaltens mit Sicher- 
heit hätte angeben können. Die unerwartete Höflichkeit 
konnte Gutes wie Böses bedeuten. 

In der Audienz, zu der Sturm und Odratzheim am 
28. Juni von Granvella beschieden Avurden,^) überreichten 
sie Granvella die Bittschrift, "O welche sie im Auftrage des 
Rats und in dessen Namen an den Kaiser aufgesetzt hatten. 
Karl wurde darin unter Versicherung alles schuldigen Ge- 
horsams gebeten, das Interim für Strassburg aufzuheben 
und die Stadt l)ei dem augsburgischen Bekenntnis zu 
lassen. Denn in einigen Funkten könnte sie der Ordnung 



mit andern Städtgesaiidten geliandelt werde; dass auch unser Bitt, 
die wir vermög Euers Schreibens thun sollen, keinswegs angenommen, 
sondern uns uferlegt werde, auch unsern Herren zu schreiben, dass 
sie in n. Taigen richtige Antwort mit Ja oder Nein geben; derhalben 
haben wir auch, was sich also hie zugetragen, und wie alle Sach 
stunden, nit verhalten wollen. Euch desto bass wissen zu bedenken, 
wie Ihr Euch in diese hochwichtige Sach schicken wollen, denn da 
will kein Erbieten helfen, sondern allein mit Ja oder Nein 
geantwortet sein. Sagt man Ja, so will darüber gehalten (werden), 
und die Prediger, so es nit annehmen, abgeschafft sein ; sagt dann man 
Nein, so muss man Ks. Mt. Ungnade und Execution erwarten und 
sich in alle Gefahr Leil)s, Lebens und aller zeitlichen Nahrung setzen, 
welches einem Christen für sehie Person mit der Gnade Gottes zu 
thun vielleicht nit so schwer sein wollt, als für eine solche Commun, 
wie Strassburg ist, darin so vielerlei Personen und ungleicher Ver- 
stand zu antworten, und dieselben nit allein in die Gefahr zu setzen, 
da sie das zeitlich, sondern doch zuletzt auch die Predigt des Worts 
und den äusserlichen Kirchen- und Gottsdienst verlassen möchten." 

1) Sturm an XIII Juni 29. AA 567. 

2) Ausführlicher Bericht darüber, von Sturm selbst nieder- 
geschrieben Tir. 26, Int. IV, Notes manuscrites de J. Sturm: 2 mal 
2 Bogen, klein 4*^, mit der Überschrift: „Handlung mit dem Gran- 
vella" von anderer Hand; Konzept. Beinschrift: AA 568: „Handlung 
zwischen uns und dem Herrn von Granvella." Vgl. Auszug bei 
Sleidan III, 122. Röhrich II, 189. 

3) AA 568 und P. r. B. 63. 






13 

nicht stattgeben, wo dieselbe, wie die Prediger vor einem 
Konzil beweisen würden, wider Gottes Wort und Gewissen 
verstiesse. Die Schrift Hess die Verbindlichkeit des Interims 
ganz unerörtert, die kaiserliehen Minister legten aber ge- 
rade darauf sofort den grössten Nachdruck und begründeten 
damit die Forderung der unbedingten Annahme der Ver- 
ordnung. Rede und Gegenrede führten zu einer er- 
schöpfenden und lebhaften, bisweilen heftigen^) Auseinander- 
setzung, in der Jakob Sturm Granvella und Hase gegenüber 

das Wort führte. 

Auf Grund kaiserlichen Befehls, der nur eine runde, 
unbedingte Erklärung der Annahme gestatte, weigerte 
Granvella sich, die Bittschrift anzunehmen, und suchte 
Sturm von der Verpflichtung Strassburgs, das Interim aus- 



1) Granvella sprach in der That die Drohung aus: „einen, der 
den Glauben angenommen und davon fiele, möchte man mit dem 
Feuer zwingen% und Sturm antwortete wirklich darauf: „man mag 
ihn wohl mit dem Feuer töten, aber nit zwingen, dass er anders 
o-laube" („Handlung" am Schluss), wie Sleidan III, 122 und Röhrich 
II 189 richtig aus Sturms eigenhändigem Bericht entnehmen. Die 
Worte nun, mit denen Bussierre I, 279 seinem Zweifel an der Wahr- 
heit des Vorfalles wie der Überlieferung Ausdruck verleiht, bieten 
ein zu treffendes Beispiel seiner Gesinnung, um nicht angeführt zu 
werden: ,.Les historiens protestants ont juge a propos, pour 
embellir le recit, d'ajouter qu'avant de se separer de ses inter- 
locuteurs, Granvella les avait menaces de les forcer, par le feu, ä 
renoncer'ä leur heresie; d'apres cette meme version Sturm aurait 
repondu avec toute la dignite de la vertu aux prises avec 
le fanatisme: „on parvient a tuer les gens au moyen du feu, mais 
on ne reussit pas a leur imposer des croyances." Nous n'avons de- 
couvert aucune trace de cette anecdote dans les monuments con- 
temporains (B. hat nämlich weder im Stadt-, noch im Thomasarchiv 
gearbeitet, wo die „mon. cont." zum grössten Theil liegen) vraiment 
dignes de foi et authentiques (zu denen B. vielleicht den 
Protestanten Sturm schon als solchen nicht gerechnet hätte); nous 
devons par consequence la considerer comme apocryphe.'^ Sapienti 
sat' B macht noch die durchaus stilgerechte Anmerkung: „Nous ne 
comprenons pas ici l'historien Sleidan, le Menteur de Charles- 
Quint." Herr B. hat augenscheinlich vergessen, dass er im Glas- 
haus sitzt. 



14 



15 



zuführen, zu überzeugen. Erstens hätte Strassl)urg mit den 
übrigen Städten in die „IleimsteUung« gewilligt, durch 
Avelclie die Stände den Kaiser zur Herstelhmg kirchlichen 
Friedens im Reiche ermächtigt hätten, und daran könne 
der Umstand, dass die Gesandten diesen Beschluss nur auf 
weltliche Angelegenheiten bezogen hätten, nichts ändern. 
Zweitens haue die Mehrzahl der Stände das auf Grund 
dieser Heimstellung verfasste Interim angenommen, so dass 
es als Reichsgesetz auch für Strassburg zu Recht bestehe. 
Drittens hätte die Stadt in der „Aussöhnung"^) des ver- 
gangenen Jahres gelobt, allen Anordnungen des Kaisers 
zum Zweck von Ruhe und Frieden im Reiche nachzuleben. 
Die Gewissens1)edenken endlich hielt Granvella durch die 
A'ersicherung für beseitigt, dass das Interim der Lehre der 
katholischen Kirche gemäss und daher keinem rechten Ge- 
wissen beschwerlich sei. Sturm ])ehauptete demgegenüber 
die ausschliessliche Giiltigkeit der Heimstellung ftir welt- 
liche Angelegenheiten; für das Missverständnis, das Gran- 
vella ihm Schuld gab, machte er die Kurfürsten und Fürsten 
verantwortlich, welche die Städte überhaupt von allen Be- 
ratungen ausgeschlossen,-) und auch von diesem Beschluss 
nur so ungenügend unterrichtet hätten, dass die Heim- 
stellung allein auf weltliche Dinge hätte l)ezogen werden 
können und bezogen Avorden wäre. Und so allein dürfe 
sie nach den wiederholten Reichsabschieden verstanden 
werden, welche den Austrag der kirchlichen Streitigkeiten 
ausdriicklich einem Konzil vorbehielten und den Protestanten 
feierlich freies Geleit zusicherten. Wie wäre damit das 
Interim in Einklang zu l)ringen, das fast alle streitigen 
Artikel ohne Hinzuziehung der Nächstlicteiligten zu deren 
Ungunsten entscheiden und das Konzil dadurch gegen alle 
Versprechen überflüssig machen wolle? Und doch wäre 
auf dem Reichstag erst vor wenigen Monaten das Konzil 
von den Ständen anerkannt und zum Austrag des Zwiesj^alts 

1) Bei IToUüiider keine derartige Verpflichtung namhaft gemacht. 

2) Stete Klagen Sturms in seinen Bericliten vom Reichstag. AA. 
563, 567, 568. 






j 



bestimmt Avorden! Eine Verordnung, die im Widerspruch 
mit allen frülieren Satzungen jeder rechtlichen Unterlage 
entbehre, hätten nur die altgläubigen Stände gutheissen 
können, sie allerdings leichten Herzens, da sie von dem 
Interim gar nicht berührt würden: ein ^Mehrheitsschluss 
dieser Art sei aber so wenig verlnndlich wie die Verord- 
nung, die er bekräftigen solle. Gegen die Auslegung der 
„Aussöhnung" verwahrte sich Sturm unter Berufung auf 
die Zusicherung, die der Bischof von Arras, Granvellas 
Sohn, in des Kaisers Namen gegeben hätte, dass die Stadt 
nicht mit Gewalt von ihrer Religion gedrungen werden 
sollte. Der von Granvella angezogene Satz stände gar 
nicht in der Friedensurkunde. Aber selbst eine Verpflich- 



tung zur 



Annahme des Interims vorausgesetzt, wären 



Gottes Gebote höher zu achten als die des Kaisers, wenn 
sie nicht in allen Stücken mit der reinen Lehre iiberein- 
stimmten: und das wäre mit dem Interim nicht der Fall, 
wie die Strassburger Gottesgelehrten vor dem Konzil er- 
weisen wollten. Ohne der Irrtümlichkeit der Überzeugung 
ihrer Lehrer überführt zu sein, könne die Stadt mit Gott 
und Gewissen dem Interim keine Folge geben und bitte 
deshall) den Kaiser, sich bis zur ordentlichen Erledigung 
der Lehrstreitigkeiten zum Augsburger Bekenntnis halten 
zu diirfen. Sturm verfehlte nicht, auf die bedenklichen 
Folgen für die Ruhe der Bürger aufmerksam zu machen, 
welche andernfalls nicht ausbleiben würden. 

Die Gegner liberzeugten einander so wenig wie bei 
späteren Verhandlungen, wo dieselben Behauptungen auf 

1) Am 20. Februar 1547 hatte Arras in Ulm den Strassburger 
Gesandten, unter denen auch Sturm war, „in Betreff der Religion . . . 
allerhand Zusicherungen" gegeben. Holländer S. 68. Ob oder wie- 
weit diese als aufgehoben oder eingeschränkt zu betrachten sind, 
möchten die Worte, Holländer S. 80: „In Betreff der Religion er- 
hielten sie dagegen keine besondere Zusicherung" — nämlich bei der 
Schlussverhandlung in Nördlingen am 14. März 1547, wiederum mit 
Arras — , „da der Kaiser deshalb nicht den Krieg unternommen hätte", 
doch wohl zweifelhaft lassen, so dass über die Richtigkeit des Sturm- 
schen Arguments nicht entschieden werden kann. 



\ 



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16 

beiden Seiten wiederkehrten und eine Yerständigung auf 
dem Boden grundsätzlicher Erörterung nicht besser gehmg. 

Besseren Erfolg hatte Sturm mit seinen Erklärungen 
über die Aufnahme von ^Rebellen" in das Strassburger 
Bürgerrecht und die angebliche Verbindung der Stadt mit 
der "französischen Regierung. Die bestimmten Versiche- 
rungen schienen Granvella zu beruhigen. 

Die Audienz erschien Sturm aus drei Gründen merk- 
wlirdig: es waren weder Drohungen gegen Strassburg laut 
geworden/) noch war eine Frist für die Annahme des 
Interims gesetzt, noch endlich den Gesandten geboten 
worden, bis zur Entscheidung der Stadt am Hofe zu 
bleiben. Das waren Rücksichten, deren sich keine andere 
Stadt riüimen konnte, hinter denen Sturm aber gerade des- 
halb böse Absichten argwöhnte. Denn durch die starken 
Rüstungen Karls wurde er in der Meinung bestärkt, der 
Kaiser wolle das Interim iil)erall und, wenn nötig, mit 
Gewalt zur Anerkennung l)ringen.2) 

In einer ausführlichen Denkschrift an die XIII erörterte 
Sturm den Gegensatz, zu dem die kaiserliche Forderung 
mit den Vorschriften der Religion zu führen schien, die 
Stellung, welche Strassburg dem Kaiser gegenüber ein- 
zunehmen hätte, und die Opfer, welche die politische Lage 
fiir die Stadt notwendig machen würde.^) Die Gebote des 
göttlichen Wortes und der politischen Erwägung wusste 
er doch nicht völlig in Übereinstimmung zu setzen. Indem 
er von der Pflicht des Christen ausging, mit Gefahr Leibes 
und Lebens, in allen Anfechtungen das lautere Wort Gottes 
zu erhalten, und alles, was dem zuwiderliefe, in diesem 

1) ^ie haben kein drohlicli AV'ort mit uns wie mit andern 
Städten gebraucht." „Handlung.'' * 

2) Sturm an XIII Juni 29. AA 5G7; „Handlung." 

3) Sturm an XHI Juni 29. AA 567. Der Brief ist von Sturms 
Hand und trägt die Bezeichnujig: „datum Freitag Petri et Pauli." 
Derselbe Brief, mit Ausschluss der nicht auf Strassburg bezüglichen 
Nachrichten, mit dem Vermerk: „ad XIII . . ultima Junii 48" ; trotz 
der späteren Datierung das Konzept des ersteren, Tir. 25, Int. I. 
Lectum 3. u. 4. Juli. 



t 



17_ 

Fall das Interim, zu verwerfen, stellte sich ihm das Gebot 
vom Gehorsam gegen die Obrigkeit entgegen. Und von 
der Obrigkeit, der von Gott gesetzten Obrigkeit ging ja 
das Interim aus. Sturm wagte nicht, sofort zu entscheiden, 
und so klar er die politische Aufgabe erkannte, gönnte er 
der Stimme menschlicher Vernunft keine Einwirkung auf 
die Beantwortung der Gewissensfrage. Annahme wie Ab- 
lehnung des Interims schlössen grosse Gefahren ein. Stellte 
man dem Kaiser anheim, das Interim durch den Bischof 
von Strassburg ausführen zu lassen, so war zu befüixhten, 
dass viele Frommen, die den veränderten Gottesdienst nicht 
besuchen würden, vertrieben und die Schwachen zum Abfall 
verleitet würden. Offener Widerstand erschien dagegen 
gänzlich aussichtslos; er weihte die Stadt nach mensch- 
lichem Ermessen dem Untergange, ohne dass das Ziel des 
Kampfes, die Erhaltung des Evangeliums, erreicht werden 
würde, ohne dass vor allem ein solcher Kampf um Leib 
und Gut, in dem die grosse Mehrzahl der Bürger nicht 
einmal ausharren Avürde, sich aus dem Worte Gottes un- 
zweifelhaft hätte begrlmden lassen. Der Entschluss, der 
in dieser Bedrängnis zu fassen war, erforderte also reif- 
lichste Überlegung, aufrichtige Selbstprüfung und Ver- 
trauen allein auf Gott, nicht auf weltliche Macht und 
menschlichen Verstand. 

Von einem Vermittlungsvorschlag versprach Sturm 
sich nur geringen Erfolg, da andere damit abschlägig be- 
schieden waren. Gleichwohl ist der Plan eines Abkommens, 
den er flüchtig andeutete, später mit einigen Erweiterungen 
von entscheidender Bedeutung geworden. Danach sollte 
der Rat sich bereit erklären, vom Interim anzunehmen, 
was er annehmen könne, und das Münster dem Bischof für 
den katholischen Gottesdienst einzuräumen. Das ist die 
erste Anregung zu der Teilung der Kirchen zwischen die 
beiden Bekenntnisse, auf Grund deren die endliche Ver- 
ständigung zu Stande kam. 

Einstweilen hielt es Stm-m für erforderlich, den Predigern 
die grösste Zuriickhaltung in der Besprechung der jüngsten 



\ 



18 



Ereignisse, des Yorgeliens des Kaisers und des Interims, 
und nachdriickliche Ermahnung des Volkes zu l)ussfertiger 
Einkehr anzubefehlen.^) Er wimschte sogar Martin ßutzer, 
der dem Kaiser besonders verhasst war, zeitweise aus 
Strassburg entfernt zu sehen,^) liess aber diesen Gedanken 
nach seiner Heimkehr wieder fallen, sei es, dass er seine 
Ausfiihrung nicht länger für nötig, oder bei der Erregung 
der Biirgerschaft für unausfiihrbar erachtete. 

Was die Entlassung des unerschrockensten und einfluss- 
reichsten Gegners des Interims in Strassburg damals hätte 
bedeuten können, lässt sich nur aus der Wirkung abnehmen, 
welche dieselbe acht Monate später, unter gleich ungünstigen 
A^^erhältnissen zu Gunsten Strassburgs am kaiserlichen Hof 
hervorbrachte. ^) 

Unmittell)ar nach Verkündigung des Reichsabschiedes 
(30. Juni) kehrten Sturm und Odratzheim nach Strassburg 
zurück und wurden nach Ablegung des Rechenschafts- 
berichtes^) sogleich den ,, Verordneten Herren des Interims'^ 



1) Sturm an Rat Juni 24. AA 567. ^Es wäre auch wohl von 
Nöten, dass Ihr Eure Prediger ernstlich vermahnet und befehlet, dass 
sie sich aller Bescheidenheit auf den Kanzeln halten, und von diesem 
der Majestät Vorhaben, so auch dem Interim nit viel melden, sondern 
das Volk zu ernstlichem Gebet und Besserimg ihres Lebe;is ermahnten." 
Der Rat beschliesst demgemäss: Mem. Juni 30. Wiederholung der 
Bitte, Juni 29 und öfter, so September 6 aus Mainz; AA 5G7: da 
der Kaiser nach den Niederlanden zöge, schreibt Sturm, sei zu be- 
sorgen, dass ^die Prediger und Gemeinde wieder etwas frecher werden, 
deshalben von Nöten will sein, mit Ernst darob zu halten und 
sonderlich bei den Predigern, damit sie bescheiden sein''. 

2) Sturm an XIII Juni 29. AA 567. „Und dieweil Herr Martin 
Butzer sonderlich verhasst, mocliten Ihr, unsere Herren, ihm nach- 
gedenken, ob nit gut sein soll, dass er sich ein Zeit lang an einem 
andern Ort in der Gewahrsam hielt.'' 

3) Instruktion Karls V. für Chantonnay; 1549 Juli 12: „et si est 
un grand point gaigne en ce qu'ils ont trouve moyen de mectre 
Bucerus hors de la ville." Druffel I S. 248. — Kopps Briefe an Rat. 
1549 Februar 26, April 14. Tir. 26. Int. IV. Kopps Briefband. 

4j Am 9. Juli, s. Mem. 



19 



beigeordnet. Diese bildeten einen Ausschuss des Eates 
von vier bis sieben Mitgliedern, der alle Interimsangelegen- 
heiten für die Verhandlung im Eat vorzubereiten hatte 
und, da dieser seinen Vorschlägen nur in den seltensten 
Fällen nicht folgte, einen entscheidenden Einfluss übte. In 
seiner Mitte wiederum hatte Jakob Sturm die fast un- 
bestrittene Leitung und führte dergestalt die Verhandlungen 
über das Interim in dem Sinne, wie er sie bisher empfohlen 
hatte: keine Auflehnung gegen den Kaiser zuzulassen und 
sich trotz aller religiösen Bedenken dem Interim zu unter- 
werfen, wenn Zugeständnisse nicht zum Ziele führten. 
Denn gegen die Annahme Hessen sich nicht mehr Worte 
der Schrift anführen als für die Ablehnung, und gegen diese 
letztere sprachen alle politischen Erwägungen.-) 

Die Mehrzahl der Katsherren war entschlossen, das 
Interim anzunehmen und die erforderlichen Opfer zu bringen, 
um die Stadt von dem Untergange zu retten.^) Auch wer 
sich, im Gegensatz zu Sturm, allein von der Sorge um Hab 
und Gut bestimmen liess, unterstützte nur um so eifriger 
Sturms Ratschläge, die sich gegen die Ablehnung des 
Interims richteten. Vor allen waren es die reichen Kauf- 
herren und Bankiers, die aus Rücksicht auf ihre Güter und 
Handelsbeziehungen ein gutes Verhältnis zum Kaiser unter 
allen Bedingungen forderten.^) Den entgegengesetzten 
Standpunkt vertraten die eifrigsten Anhänger der reinen 
Lehre, welche, ausschliesslich religiösen Antrieben folgend, 
das Interim verwerfen wollten, was auch daraus folgen 



1) Die Zalil der Verordneten Herren wechselt; meist 3 bis 4, 
steigt sie bei wichtigen Anlässen auf 6 bis 8. Sturm ist, wenn an- 
wesend, stets der erste, nach ihm werden am häufigsten genannt Klaus 
Kniebs, Caspar Rommler, Simon Franek, Matliis Pfarrer. Das AVort 
führt meist Sturm, von dessen Hand auch eine Menge .Bedenken der 
Verordneten Herren'^ herrühren. S. Mem. 1548—50. P. r. B. C. 

2) Sturm an XHI .7uni 29. AA 567. 

3) P. r. B. 133 ft". 171 ff. und anderwärts. 

4) Darüber Butzers Briefe im Tlies. Baum, mit heftigen Invektiven 
o-eo-en diejenigen, deren „Dens est venter". 



11 



20 

mochte. Ihr Führer war Mathis Pfarrer,^) einer der ver- 
dientesten Vorkämpfer des Wortes Gottes in Strassburg. 
Aber diese Partei war zu klein, um im Rat Jakob Sturm 
gegenüber 2) etwas ausrichten zu können,, erfreute sich da- 
o-eo-en um so s-rösseren Ansehens bei der Bürgerschaft, 
welche vom Interim nichts wissen wollte. 

Diese, gegen jede Veränderung der reinen Lehre, jede 
Wiederherstellung des „Pfaffenregiments", gegen Interim 
und Kaiser, Papst und Katholiken von tiefem Hass erfüllt, 
wurde darin von den Predigern bestärkt, welche aller Vor- 
stellungen des Rates ungeachtet, in ihrem Eifer für die 
Erhaltung des Wortes Gottes das Interim rücksichtslos an- 
griffen und verdammten. Gegen ihren mächtigen Einfluss,-^) 
fürchtete der Rat, würden seine politischen Vorstellungen 
bei den erbitterten Bürgern nichts vermögen und er 
wimschte deshalb die Entscheidung der Schöffen möglichst 
lange hinauszuschieben, indem er hoffte, dass die Gemüter 
sich mit der Zeit 1)eruhigen und für seine Gründe em- 
pfänglicher zeigen wiirden. Denn eben damals, als die 
Gesandten vom Reichstag zurückkehrten, waren Rat und 
Gemeinde weit auseinander. In dieser fand das Gerücht 
Glauben, die regierenden Herren wollten dem Kaiser auf 
eigene Hand Bewilligungen machen, und der Rat hielt es 
für notwendig, den Zünften zu versichern, dass er nichts 
ohne oder gegen den Willen der Schöffen in Sachen des 
Interims vornehmen wiirde.^) 



1) Auch über ihn Butzer. Für Pfarrer bezeichnend seine Haltung 
bei den Beratungen über die Bekainitmachung des Vertrages mit dem 
Bischof. Mem. 1550 Januar 10-22. Ri)hrich II, 218 ff. 

2) Als Anluinger Sturms erscheinen ausser Pfarrer fast alle Rats- 
herren, die namhaft gemacht werden: sein Bruder Peter Sturm, Kniebs, 
Rommler, Frank, Matliis Geiger, die beiden Doktoren Ludwig Gremp 
und Heinrich Kopp, der der Stadt durch zwei Verhandlungen am 
Hofe 1549 und 1550 gute Dienste leistete. Von heftigen Debatten 
enthält das Mem. nur ganz selten Andeutungen. 

3) Mem. Juni 30. Juli 16, 30 u. s. w. 

4) Mem. Juli 11. 



21 

Er versammelte diese auch alsbald, nicht aber, um über 
die Annahme des Interims, sondern nur, um über die 
Wiederholung der vom Kaiser bereits abgewiesenen Bitte 
2U entscheiden. Der „Bedacht für die Schöffen"^) führte 
aus, wie das Interim ohne Einwilligung der Städte dem 
Kaiser heimgestellt und von den Ständen angenommen 
ßei, wie die kaiserlichen Minister die Bitte des Rats um 
Erhaltung des Augsburger Bekenntnisses abgeschlagen und, 
übereinstimmend mit dem Gebot des Reichsabschiedes, un- 
bedingte Annahme des Interims gefordert hätten. Da es 
deshalb notwendig sei, nicht zwar über die Annahme des 
Interims nun wirklich eine Entscheidung zu fällen, wohl 
aber dem Kaiser „weiter Antwort" zu geben, so schlage 
der Rat vor, durch eine neue Gesandtschaft 1. trotz der 
geringen Wahrscheinlichkeit eines Erfolges die frühere 
Bitte nochmals vorzutragen und 2. bei abschlägigem Be- 
scheid den Kaiser zu ersuchen, das Interim so weit zu 
„moderieren, mildern und erläutern", wie es die Strass- 
burger Gelehrten für notwendig erachteten. 

Unter Erneuerung des Versprechens, ohne ihre Zu- 
stimmung dem Kaiser nichts zu l)e willigen, ermahnte der 
Rat die Schöffen ernstlich, ihm Vertrauen zu beweisen 
und Verdächtigungen entgegenzutreten, die nm^ darauf be- 
rechnet seien, Rat und Bürgerschaft zu entzweien. Um 
jedem Missverständnis vorzubeugen, musste der Ammeister 
ausdrücklich erklären, dass es sich nur um Wiederholung 
der Bitte, nicht um Annahme des Interims handle.^) So 
ganz entsprach das der Wahrheit doch nicht; denn die 
Gesandten sollten ja Vollmacht erhalten, um eine Milderung 
des Interims nachzusuchen; damit war trotz aller gegen- 
teiligen Versicherungen ausgesprochen, dass die Stadt zu 
Verhandlungen über das Interim bereit sei, was durchaus 



1) P. r. B. 133—144. Der Bedacht wurde am 23. Juli vorgetragen. 
Yorberatungen. Mem. Juli 16, 18, 20, 21, 23. Köhrich II, 192, 

Anm. 27. 

2) Mem. Juli 23. 



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22 



nicht den Wünschen der Bürgerschaft und der Prediger 

entsprach.^) 

Unmittelbar nachdem die Schoflen dem Rat Vollbort 
erteilt hatten, verliessen die Gesandten Friedrich von 
Gottesheim und Dr. Ludwig Gremp^) die Stadt, damit der 
Hof nicht vor ihrer Ankunft von dem Schöftenschluss 
unterrichtet würde. Der Rat schärfte ihnen ein,^) eifrigst 
inn eine Audienz bei dem Kaiser selbst anzuhalten, keine 
Verpflichtung zur Annahme des Interims anzuerkennen und 
auf jeden Fall Aufschub^) der Entscheidung zu ])ewirken. 
Sie sollten sich Granvella gegeniiber auf das Vorrecht der 
Stadt berufen, in allen wiclitigen Sachen vom Kaiser in 
Person gehört zu werden, und nur, wenn sie nicht zum 
Kaiser gelangen könnten, ihren Auftrag an die Minister 
ausrichten.^) Die Verpflichtung der Annahme des Interims 
sollten sie mit denselben Gründen wie Sturm bestreiten 
und hinzufügen, dass Strassburg sechsundzwanzig Jahre 
bei der erkannten Wahrheit treu verharrt hal)e und grössere 



1) Mem. Juli 30: „Hiervor zu etlichen Malen erkannt worden, 
den Predigern zu sagen, sich in Predigten bescheiden zu halten und 
sich der Händel, so jetzt vorhanden sind, niclit zu viel zu treiben 
und aber Fagius dieselbig gestern ganz hessig trieben, wie man 
schiessen und dies Volk (nämlich den Kaiser) nicht herein lassen 
soll, und wer es herein lasse, kein christlich, ja heidnisch Geblüt in 
ihm hab/' Erkaimt, die Prediger nochmals zu ermahnen. „Denn 
man könnte nicht gedenken, dass, so sie solch Ding vor dem gemeinen 
Mami predigten, wie ein Rat regieren könnt etc." Mem. August 4: 
Auf die Ermahnung haben die Prediger geantwortet: „sie miissten 
die Wahrheit predigen« wo sie aber predigen, dass meine Herren nicht 
zu gedulden, zu denselben (steh) sie mögen abzustellen." 

'-i) Gremp als Wortführer. Mem. Juli 20. 

3) Instruktion der Gesandten: P. r. B. 157 und Tir. 25, Int. I, 
Xo. 4 vom Juli 23. — Yorberatungen Mem. Juli 21, 23. 

4) P. r. B. 157. Sie sollen „um eine geraume Zeit" bitten, „da 
sonsten Bew^egung und anderer Unrat zu besorgen." 

i>) Die Antwort 'des Rats an den Kaiser, Juli 23. P. r. B. 151, 
vgl. Druffel III, S. 122, sub: Strassburg a. -- Vorberatungen: Mem. 
Juli 16, 18, 20: auf Antrag des Verordneten wird der Brief in das 
Französische übersetzt, damit ihn Granvella lesen könne. 



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23 



Festigkeit beweisen werde als andere Städte, die sich dem 
Interim unterworfen hätten. Würde gleichwohl auf un- 
bedingte Annahme gedrungen, so hätten sie um eine ge- 
raume Frist zu bitten, innerhalb deren Rat und Schöffen 
mit gebührender Ruhe beraten könnten, ob und wieweit, 
nicht etwa nur in welcher W^eise sie dem Kaiser will- 
fahren dürften, ohne Gottes Zorn auf sich zu laden und 
das A^olk zur Empörung zu treiben.^) 

Kurz vorher 2) hatte der Rat gegen die Punkte des 
Reichsabschiedes, welche Konzil und Interim betrafen, vor 
Notar und Zeugen feierlich Verwahrung eingelegt.^) Er 
täuschte sich wohl nicht über die Nutzlosigkeit dieses 
Schrittes — Jakob Sturm hatte sie scharf genug hervor- 
gehoben*) — , Hess die Protestation aber gleichwohl unter 
Beobachtung aller Formen durch den regierenden Städt- 
meister vollziehen. Dieselbe richtete sich auf Grund frü- 
herer Reichsabschiede gegen den jimgst zu Augsburg er- 
lassenen betreffs 

1. der Unterwerfung unter das Trienter Konzil, 

2. der vielumstrittenen Heimstellung und 

3. der Forderung des Gehorsams gegen das Interim. 

Der Hof erwartete bereits mit Ungeduld die Annahme 



1) Mem. Juli 23 „doch dass man (d. h. die Gesandten) eigentUch 
dahin handle, dass man's (der Kaiser) nicht verstand, als ob man (der 
Rat) etwas Zeit begehrt, darin man's versehen wollte und es also an- 
genommen hat." 

2) Am 18. Juli: Mem. Vorberatung Juli 16. Der zuerst für 
den notariellen Akt vorgeschlagene Notar Jakob Rotfelder als 
„Päpstler" abgelehnt. — Die Gesandten hatten schon in Augsburg 
protestieren wollen, die Mainzer Kanzlei die Urkunde jedoch nicht 
annehmen wollen und sie an den Kurfürsten von Mainz gewiesen, 
dieser sie wieder an den Kaiser, der ihm, dem Mainzer, verboten 
habe, eine Protestation anzunehmen. Das war den Gesandten „zu 
thun nit gelegen". Mem. Juli 9. 

3) P. r. B. 145 die Urkunde der Protestation, jedoch nicht voll- 
ständig. 

4) Mem. Juli 9. 



24 



des Interims seitens Strassburgs/) so dass der Geschäfts- 
träger, den Jakob Sturm in Augsl)urg zuriickgelassen 
hat'te, Jakob zum Deich, 2) alle Miihe hatte, die Verzöge- 
rung zu entschuldigen, und den Rat zu baldiger Antwort 
drängte, um nicht den Verdacht des Kaisers zu wecken/*) 
Der Kaiser schien seinen A^rsatz, das Interim durch- 
zuführen, in keiner Weise geändert zu haben,^) und die 
Berichte der von der Strassburger Wollmesse zurück- 
kehrenden Kaufleute über die feindselige Gesinnung und 
Haltung der Prediger und Bürger sollten den schlechtesten 
Eindruck auf ihn gemacht haben .^) Unter diesen Um- 
ständen trafen die Gesandten keinen Augenblick zu friih 
am kaiserlichen Hofe ein. 

Am 31. Juli, zwei Tage nach ihrer Ankunft, wurden 
sie von Granvella empfangen; er versprach, ihnen Gehör 
bei Karl auszuwirken, und erwies sich gnädig und huldvoll.^) 

Plötzlich aber traten Ereignisse ein, welche bei Rat 



1) Jakob zum Deich an Jakob Sturm. Juli 25. AA 569, 27 ff. 
„Euer, meiner Herren halben, bin ich noch nie beschickt, aber wohl 
oft in der kaiserlichen Kanzlei und sonst gefragt worden, wann die 
Gesandten von Strassburg wiederum kommen, und das Interim wollen 
bewilligen, und verziehe sich lang." 

2) Mem. Juli 9 sagt Sturm von Deich, er habe gute Kundschaft 
in der kaiserlichen Kanzlei. 

3) Deich an Sturm Juli 25. »Denn wiewohl die Entschuldigungen 
wahrhaft sind, so wollen sie doch nicht allwegen dermassen an- 
genommen und verstanden werden." AA 569. 

4) Ebda: .Und welcher es nicht thut, bei dem will sie (Kais. 
Mt.) es, wie sich melir denn eins ernstlich hat vernehmen lassen, aus 
kaiserlicher Gewalt selbst aufrichten " 

5) Juli 26 AA 567. Deich an Sturm: „seither und sich die 
Strassburger Mess geendet hat, ein stetigs Geschrei durch die ganze 
Stadt Augsburg geht, wie deren von Strassburg Prediger heftig und 
hitzig wider das Interim predigen und die Gemeinde ganz auf- 
rührerisch sei, viel böser Reden öffentlich ausschlag wider die K. Mt. 
und auch das Interim, und es gar nit werde annehmen, noch ihre Mt. 
in die Stadt lassen." — August 19 AA 567. Deich an Sturm: Fagius 
als heftiger Eiferer in Augsburg verschrieen. 

<^) Gottesheim und Gremp an Xlil. August 1. AA 567. 



25 



und Bürgerschaft die schlimmsten Befürchtungen erweckten. 
Zunächst machte die gewaltsame Verfassungsänderung, die 
der Kaiser in Augsburg vornahm, den Rat stutzig. Ahn- 
liche Massregeln sollten gegen Ulm und andere Städte be- 
absichtigt .sein.*) Der Rat suchte sich daher Gewissheit 
über den Aufbruch und das Ziel der Reise des Kaisers zu 
verschaffen, von der schon seit Wochen die Rede war: 2) 
hatte doch den ganzen Winter über und bis in den Sommer 
hinein das Gerücht nicht verstummen wollen, Karl werde 
sich nach Beendigung des Reichstages gegen Strassburg 
wenden, um es seinem Willen zu unterwerfen. Mit ge- 
spannter Aufmerksamkeit verfolgte der Rat alles, was dar- 
auf Bezug haben konnte. So waren am 6. August bereits 
Kundschafter nach Speier und Hagenau gesandt worden, 
um Erkundigungen über die Bestimmung des kaiserlichen 
Geschützes einzuziehen, das auf dem Wege nach diesen 
Städten sein sollte.-^) Am 8. und 10. erhielten die Drei- 
zehner den Auftrag, die durch die Lage der Stadt erfor- 
derten Sicherheitsmassregeln zu beraten.^) Die Besorg- 



1) Ges. an XIII, August 4. AA 567. Ausführlicher Bericht 
über die Verfassungsänderung in Augsburg. Ferner August 8 ibid. 
— über die Änderungen zu Ulm: Deich an Sturm: August 19, 
AA 567, — Mem. August 8. «Und dieweil zu besorgen, dass mit 
Änderung des Regiments anderswo auch vorgenommen, ist mein 
Herren den 13 zu bedenken befohlen. Und dass die im Regiment nit 
viel, sonderlich unnütze Wort davon trieben, sondern sich nit an- 
nehmen, auch wo sie hören, stillen, und den Predigern auch unter- 
sagen, auf den Kanzeln nit davon zu predigen." 

''^) über die Reise des Kaisers von Ulm nach Speier: Deich an 
Sturm August 30 aus Speier. AA 569. - Ges. an XIII. August 8. 
AA 567, „hett uns angelangt, wie die Kais. Mt. Vorhabens sei, nach- 
dem sie etlich Tag zu Ulm verharrt und folgends zu Speier ankommen, 
an einen ehrsamen Rat zu Strassburg zu begehren, Ihre Mt. Ihrer Ge- 
legenheit nach in die Stadt zu lassen, und da solches gewilligt, habe 
es° seinen Weg, da es aber ein Rat zu Bedenken nehmen, werd Ihr 
Mt. ein Bedenkzeit geben, da es aber abgeschlagen, werde Ihr Mt. 
Strassburg in Acht und Aberacht erklären." 

3) Mem. August 8. 

4) Mem. August 8 und 10. 



26 



27 



iiisse stiegen nocli, als am 10. August der Überfall Kon- 
stanz' durch Truppen König* Ferdinands jjekannt wurde. ^) 
Zumal kaiserliche Völker vor den Thoren der Stadt lagen 
und in der Umgegend iibel hausten, 2) wurde beschlossen, 
sich gegen einen plötzlichen Angriff in Verteidigungs- 
zustand zu setzen.-') Die Sorge dafür wurde den Drei- 
zehnei-n iibertragen und ihnen ausserdem befohlen, die 
Massnahmen zu ])eraten, welche eine Aldehnung des In- 
terims notwendig machen wiirde. Da sie damit nicht zu 
Stande kamen, wurde die Sache nochmals an sie und die 
Fiinfzehner gewiesen.^) Die Aussicht auf kriegerische Ver- 
wicklung drängte alle anderen Fragen in den Hintergrund; 
die Tagesordnung des Eats enthielt am 13. August die un- 
gewöhnlich hohe Zahl von 17 Punkten, die sich ins- 
gesamt auf Vorkehrungen zur Sicherung der Stadt be- 
zogen.^) Ein Brief der Gesandten, der am 15. mit ausser- 
ordentlicher Versi)ätung in Strass1)urg eintraf, verringerte 
die Befürchtungen nicht.^) Der Kaiser, liiess es darin, 
habe die Absicht, von Ulm nach Speier zu ziehen, werde 
von dort aus an den Rat die Forderung stellen, ihm Ein- 
lass in die Stadt zu gewähren, uiid eine Aldelinung mit 
Acht und Aberacht ])eant\vorten. Daraufhin befahl der 
Rat den Gesandten, um schleunige xVbfertigung [»ei dem 
Kaiser nachzusuchen, damit wenigstens der Ungewissheit 
ein Ende bereitet wi'irde.^) 



^) Mein. August 10. 

2) Röhrich II, 190. 

3) Mem. August 10 ^die Herren 13 bedacht, die weil dies (der 
Überfall von Konstanz) so unversehentlich beschehen, und dann das 
Krief'svolk um die Stadt, haben sie bedacht, dass auf den Türmen 
zu hüten, die AYasser zu versehen und Kundschaft an den Thoren hin 
und wieder zu machen sein sollt.'' — Röhrich II, 190. 

•1) Mem. August 10. 

») Mem. August 13. 

6) Ges. an Rat. August 8. AA 567. Die Briefe brauchten in 
der Regel drei bis vier Tage zur Beförderung von Augsburg nach 
Strassburg. 

") Rat an Ges. August 15. AA 567, Mem. August 15. 



<S 



Schon nach zwei Tagen erwiesen sich jedoch alle Be- 
sorgnisse als grundlos, als Gottesheim und Gremp mit dem 
Bescheid Karls zurückkehrten. Der Kaiser hatte sie am 
9. August empfangen,^) gnädig angehört und mit dem 
Geheiss entlassen, innerlialb Monatsfrist endgültige Antwort 
über die Annahme des Interims zu erteilen. Er hielt nach 
wie vor daran fest, dass Strassburg zweifellos verpflichtet 
sei, dasselbe durchzuführen, und wollte sich zu keiner Ab- 
änderung verstehen, weil er sie ohne Einwilligung der 
Stände, auf deren Zustimmung das Gesetz beruhe, nicht 
vornehmen dürfe. Mit besonderem Missfallen vermerkte 
Karl das Erscheinen eines Buches Butzers, das die Ge- 
sandten als eine Entgegnung auf eine Schmähschrift, die 
den Strassburger rredigern wiedertäuferische Irrlehren 
vorwerfe, rechtfertigten und entschuldigten. Der Kaiser 
blieb aber dabei, darin einen Versuch zu erblicken, das 
Yolk gegen ihn aufzureizen,-) und ermahnte den Rat zur 
Achtsamkeit und zum Gehorsam gegen seine Mandate iiber 
Druckschriften. 

Nach der zweimaligen Abweisung seiner Bitte wollte 
der Rat es auf eine dritte nicht ankommen lassen. Er 
rausste befürchten, die Langmut, die der Kaiser ihm in 
Vergleich zu anderen Städten zweifellos und noch soeben 
durch die Gewährung einer verhältnismässig laugen Be- 
denkzeit bewiesen hatte, zu erschöpfen, oder doch auf eine 
Probe zu stellen, deren Folgen er bei einem ungünstigen 
Erfolu' — Acht, Krie»- und Bündnis mit Frankreich — 

O 7 CD 

nicht auf sich nehmen AvoUte. Die Interimsherren erhielten 
daher den Befehl, den Vortrag für die entscheidende Ab- 
stimmung der Schöffen vorzubereiten.^) Ein dem Rat ge- 
nehmes Ergelniis derselben war allerdings nicht walir- 



1) In Augsburg, nicht in Nördlingen, wie Röhrich II, 192 schreibt. 

2) Bericht der Gesandten vor dem Rat: Mem. August 17. — 
Aufzeichnung der Antwort des Kaisers mit Verbesserungen des Vize- 
kanzlers Georg Seid, der sie im Namen des Kaisers erteilt hatte: 
P. r. B. 1G3. — Röhrich II, 193, Anm. 29. 

3) Mem. August 17. 



II 



28 

sclieiiilicber als einen Monat zuvor. Eher hatte die 
Aufregung der letzten Tage die Biirger fiir ruhige Er- 
wägungen noch weniger empfänglich gemacht. Aber der 
Rat hatte sein Wort verpfändet, nichts ohne Zustimmung 
der Schöffen vornehmen zu wollen, wenn die Entscheidung 
des Kaisers neue Entschliisse notwendig mache. ^) Und 

das war jetzt der Fall. 

Die Erhitzung der Leidenschaften hatte zu wieder- 
holten Ausschreitungen der :Menge gegen reiche Biirger 
geführt, welche in dem Rufe standen, den unbedingten 
Eifer fiir die Reinheit des Gottesdienstes und der Lehre 
nicht zu teilen, oder geradezu Anhänger des Kaisers zu 
sein. Viele von ihnen sagten, sei es mit Rücksicht auf 
ihre Überzeugung, auf ihre Geschäfte oder infolge der 
Beleidigungen, denen sie sich in steigendem Masse aus- 
gesetzt sahen, ihr Bürgerrecht auf. 2) Der Vorwurf, der 
den Predigern gemacht wurde, dass sie die Schuld an den 
voro-ekommenen Unordnungen trügen, scheint nicht un- 



1) Vorhalt an die Zünfte. Tir. 26, Int. IlT. Verlesen August 16. 
— Mem. Aucrust 15: Es wurde erwogen, „ob man s für die Schöffen 
bringen will "oder nit. Und erkannt, dass die Ratschlag nach aller 
Notdurft gestellt. Dieweil aber unter den Schöffen sitzen, die päpstisch 
oder bischöflich seind, dass nit verschwiegen bleib, und aber viel der 
Stadt Heimlichkeit darin, so soll man denselben noch nicht vor die 
Schöffen bringen." Bussierre S. 284, Anm. 2 bemerkt dazu: „Aveu 
precieux. Ainsi les gens qui reclamaient si haut contr e la tyrannie 
des papistes avaient des concitoyens catholiques, et depuis dix-huit 
ans ils les privaient de toute exercice de leur religion." Mem. 
August 22: erkannt, den Bedacht vor die Schöffen zu bringen. 

" 2, Mem. August 17: Unnütze Reden, — 18: „Uin-uhige Bürger"; 
Philipp Imgold sagt auf, weil längeres Verweilen sein Geschäft zu 
Grunde richte. Erkannt, ihn zu bitten, bis zur Entscheidung der 
Schöffen zu warten, weil er als Regimentsperson der Stadt durch 
seine Aufkündigung schade. Imgold erklärt: es geschähe ihm zu oft 
grosse Schmach von dem Volke, er sei besser kaiserisch denn strass- 
burgisch etc. Sage man ihm freien Zug zu, so wolle er mit seinem 
Bruder bleiben; andernfalls sei er in acht Tagen ruiniert, wenn des 
Kaisers Ungnade die Stadt treffe. Der Fall ist typisch. — Mem. 
August 25: „Jetzo viel Bürger ihr Burgrecht aufsagen." 



29 



berechtigt gewesen zu sein ; wie ihnen denn der Eat gebot, 
diejenigen, welche ihr Bürgerrecht aufgäben, nicht mehr 
von der Kanzel herab anzugreifen.*) Um weitere Auf- 
regung zu verhüten, wurde im Eat strengste Verschwiegen- 
heit über alle Verhandlungen geboten. 2) Die regierenden 
Herren versprachen sich von der Abstimmung der Schöffen 
wenig Gutes und zogen schon den Fall in Erwägung, dass 
jene die Entscheidung überhaupt ablehnen und der Ge- 
meinde zuweisen würden.^) Und dabei gaben die Nach- 
richten vom Hoflager die Gewissheit, dass die Ablehnung 
des Interims Krieg und Acht bedeuten würde.*) 

Um seinem Vorschlag, das Interim nicht sowohl an- 
zunehmen, als zu dulden und leiden, den grössten Nach- 
druck zu geben, beschloss der Rat, ihn als einmütige 
Meinung aller seiner Mitglieder den Schoflen zur Annahme 
zu empfehlen und dadurch den Gerüchten von Spaltungen 
in seiner Mitte wirksam entgegenzutreten. Ferner berief 
er die Schöö'en so spät als irgend möglich, um ratsfeind- 
liche Einwirkungen, besonders seitens der Prediger, un- 
mittelbar vor der Abstimmung auszuschliessen. ^) Der 
A^ortrag^) stellte den Schoflen die Notwendigkeit vor, 
nach dem Misserfolg der letzten Sendung endlich die Ent- 
scheidung zu fällen, die Gefahren, welche Annahme wie 
Ablehnung des Interims zur Folge haben Avürden, und be- 
gründete unter Hervorhebung der bisherigen Verdienste 



1) Anlässlich einer heftigen Predigt Fagius' in Jung St. Peter: 
Mem. August 25, 28. 

2) Mem. August 22. 
^) Mem. August 22. 

■1) Mem. August 23: „und dieweil ... zu merken, dass solche 
Bitte (um Erlassung des Interims) unerheblich, sondern mehr auf dem 
stehen will, ob man sich Kais. Mt. widersetzen woU oder nicht, sollen 
sie bedenken, ob und was weiter vor die Schöffen bringen, oder ob 
man's bei diesem bleiben lassen wollt." — Deich an Sturm: August 19. 

ö) Mem. August 25. 

6) Der Bedacht, am 27. August den Schöflfen vorgehalten: Tho. 
A. P. r. B. 171. Konzept Sturms: Tir. 26, Int. III. — Vorberatungen: 
Mem. August 22, 23, 24, 25, 27. 



30 

des Kats seinen Vorschlag als den besten Ausweg aus der 
schwierigen Lage. Vor Annahme des Interims warnte der 
Hat wegen der Gefahr für Glauben und Gewissen und für 
die kirchliche Verfassung eindringlich; Absetzung der 
Prediger, Einsetzung unwürdiger Nachfolger, Wieder- 
herstellung der bischöflichen Jurisdiktion, Rückkehr der 
Mönche und Nonnen sei das Geringste, was daraus folgen 
würde. Da Vorstellungen dieser Art bei der Gesinnung 
der Bürgerschaft zum wenigsten überflüssig waren, liegt 
die Vermutung nahe, der Rat habe damit nur die Zweifel 
an seinem religiösen Eifer beseitigen und dem unum- 
wundenen Tadel der Verwerfung des Interims den Schein 
der Voreingenommenheit und rarteilichkeit nehmen wollen. 
Gegen die Ablehnung erklärte sich der Rat nach dem 
Vorgange Sturms. Im engsten Anschluss an ihn, nur mit 
einer stärkeren Neigung zur Verneinung wurde die Frage, 
ob sich Stra3sl)urg dem Kaiser, als der höchsten Obrigkeit, 
widersetzen diirfe, unentschieden gelassen, mit aller Be- 
stimmtheit aber bestritten, dass die Stadt nach mensch- 
lichem Ermessen mit Erfolg Widerstand leisten könne.') 
Die Greuel des Krieges und der Eroberung, die Unzweck- 
mässigkeit, ja Verderblichkeit eines Bündnisses mit Frank- 
reich wurden mit lebhaften Farben und absichtsvoller 



1) P. r. B. 176. „Das Erst, ob einem Christen gebühr, sich 
wider sein ordentliche Oberkeit mit der That und gewehrter Hand 
zu setzen etc., belangend, will dasselbig auch unter den Gelehrten 
und Theologen dieser unserer Religion disputierlich und also zweifel- 
haftig sein, als ob es wider den Inhalt der Schrift sei und sonderlich 
diesfalls, dieweil die Kais. Mt. nicht allein die höchst ordentlich 
Obrigkeit, sondern dass der Allmächtige ihm uns nun dermassen 
unterworfen, dass dieser Zeit kein menschUche Mittel oder AVeg vor- 
handen, vor seinem Gewalt sicher zu sein, und dass man sich nicht 
in grössere Gefährlichkeit Leibs, Lebens und auch endlichen Ver- 
derbens bringen und dennoch das End, darum es beschehe, nämlich 
die jetzige, unsere christliche ReUgion und üusserlichen Gottesdienst 
zu erhalten nicht erlange, sondern dass mehr die widrige Religion 
und noch viel Beschwerlicheres allMn auf- und angerichtet werde. 

Da sonsten, so man sich leidet und geduldet, mit wahrer ßuss» 
Besserung des Lebens und emsigem Gebet und Rufen zu Gott 



31 



Breite geschildert. Selbst den Trost, dass Gott in solchen 
Nöten helfen würde, schien man aufgeben zu müssen, denn 
während „der Allmächtige sonst allweg, so er sein Volk 
erretten, die Mittel und Weg, dadurch er's thun wollen, 
also anzeigt, dass sie menschlichem Verstand nach möglich 
gewesen", zeigten sich diesmal überall nur unüberwindliche 
Schwierigkeiten.^) Aus diesen Bedrängnissen sieht der Rat 
nur eine Rettung: da die Stadt das Interim Gewissens 
halber nicht annehmen, sich ihm aber auch nicht wider- 
setzen kann und vielleicht nicht darf, soll sie dulden und 
leiden, dass der Kaiser den Bischof und das Kapitel be- 
auftrage, es in einigen Kirchen, über die man sich ver- 
gleichen würde, einzurichten. In den iibrigen Gotteshäusern 
aber sollte das Wort Gottes mit aller Bescheidenheit von 
den städtischen Predigern gelehrt und das Abendmahl „in 
verständlicher Sprache" gereicht werden. Auch sollte 
man sich zur Beobachtung der Feier- und Fasttage, die 
das Interim freistelle, bereit erklären. Durch diese Zu- 
geständnisse, und durch sie allein, glaube der Rat, der 
Stadt die reine Lehre der Rechtfertigung und den rechten 
Gebrauch der Sakramente und des Abendmahls erhalten 
zu können.^) 



Besserung zu hoffen ist und nicht desto weniger, so es dahin käme, 
dass jemand vor-, und seines Glaubens freie Bekemitnis erfordert 
würde, dennoch ein jeder Christ seinen Glauben frei bekennen und 
mit seinem Blut bezeugen kann und mag, ohne anderer Leut Be- 
schwernis und Nachteil. Wie denn zu Zeit der Verfolgung die 
heiligen Apostel und andere mehr gethan." 

1) P. r. B. 182. „So wäre ja besser gewesen, man hätte mittler 
Zeit Gewalt und Unrecht gelitten und geduldet und also solcher 
Besserung mit Leiden und Gedulden von dem Allmächtigen erwartet, 
denn dass man dem Gewalt und Unrecht ohne Gottes Geheiss und 
Schrift sich widersetze und uns selbst, Weib und Kind, ja auch 
andere auswendig im Land, in Schmach, Schande, ja endlich Ver- 
derben setze und führe." 

2) Ebenda 186. Würde man sagen, es würde alles wieder durch 
diese bedingte Annahme des Interims katholisch gemacht werden, „da 
wir aber verhoffen, so wir uns in Ansehung dieser Straf, die Gott 
der Herr um unserer Undankbarkeit und Sünden willen über uns ver- 



32 



'')0 



Die Scliöifen versagten ihre Zustimmung: wie der Rat 

befürchtet hatte, lehnten sie — allerdings nur mit einer 

Mehrheit von 2 Stimmen, 134 gegen 132 - die Entscheidung 

ab und beantragten Befragung der Gemeinde, die an der 

Angelegenheit ebenso sehr beteiligt sei wie sie selbst. 

Der Rat beschloss, dem Antrag nicht Folge zu geben, 

sondern noch einmal mit den Schößen zu unterhandeln.*) 

Würden sie auch dann noch auf ihrer Meinung bestehen, 

so sollte man ihnen vorschlagen, einen Ausschuss der 

Zünfte mit der Entscheidung zu betrauen/^ Dazu kam es 

jedoch nicht. Nach einem sehr ernsten Vorhalt, der die 

Unthunlichkeit einer Gemeinde])eratung mit allen nur 

mögliclien Gründen darzutlum suchte, erteilten die Schöffen 

am 30. xiugust mit 206 gegen 4 Stimmen — das waren 

zusammen nur wenig melir als zwei Drittel der gesamten 

300, und fast GO weniger, als bei der Abstimmung vom 

27. zuo-effon gewesen waren — dem Rat A^ollmaclit, auf 

Grund seines Vorschlages mit dem Kaiser in Verhandlung 

zu treten.^) 

Jakol) Sturm wurde zum Botschafter ausersehen; er 
wählte sich Dr. Gremp, der die letzte Gesandtschaft geführt 
hatte, zum Genossen.'*) In seinem Schreiben an den Kaiser^) 
leugnete der Rat nochmals nachdrücklich die Verpflichtung, 
das Interim anzunehmen. Um jedoch den Schein des Un- 
gehorsams zu vermeiden, wollte er „gedulden, zugeben und 
leiden", dass der Kaiser den Bischof, den er für die 



hänget, zu walirer Besserung unseres Lebens scliritten, der Albnäclitige 
wiird es nicht zugeben, noch verhängen. Verhänget er es aber, so 
würde es unsers unbussfertigen Lebens Schuld sein, und uns kein 
Gegenwehr oder zeitlicher Gewalt davon erretten." 

1) Mein. August 27. F. r. B. 189. 190. 

2j Mein. August 30. Röhrich II, 197 f. 

3) Mem. August 30. Der Bedacht: l\ r. B. 191 ff. 

4) Mem. August 30. Mathis Geiger, den der Rat beiordnete, 
blieb in Speier krankheitshalber zurück; Sturm und Gremp an Rat. 
September 6. AA 567. 

5) Befohlen zu bedenken: Mem. August 24, 27; die Antwort 
P. r. B. 214; Tir. 25, Int. 1, 8 beide deutsch, ebenda I, 9 französisch. 



ordentliche, geistliche Obrigkeit Strassburgs halte, beauf- 
trage, in einigen Kirchen das Interim einzurichten.^) Das 
Abkommen sollte aber nur bis zur Entscheidung des von 
Karl versprochenen Konzils Geltung haben. Der Vorschlag 
entsprach den Mitteilungen, die der Rat den Schöffen 
gemacht hatte; jetzt unterrichtete er auch die Zünfte davon, 
denen er befahl, sich aller frevelhaften Reden und Hand- 
lungen gegen Kaiser, Obrigkeit und Mitbürger zu enthalten.^) 
Erfolg hatte die Ermahnung nicht; der Unmut der Bürger 
und der Prediger äusserte sich noch täglich so heftig,^) 
dass viele an einer friedlichen Lösung verzweifelten und 
ihr Bih'gerrecht kündigten. Das geschah besonders an dem 
Tage der Ablehnung des Ratsvorschlages, die trotz aller 
Gebote, Verschwiegenheit zu bewahren, sofort bekannt und 
von Volk und Predigern mit Jubel begrüsst wurde. Eine 



1) P. r. B. 214 „doch dass uns . . . auch etlich Kirchen gelassen 
werden, in denen das Wort Gottes, nach christlichem Verstand, mit 
aller Bescheidenheit und Sanftmut, ohne jemands Schmach oder Ver- 
lästerung verkündet, und die hochwürdigen Sakramenta in verständ- 
licher Sprach gottseliglich ausgespendet werden''. 

2) Dienstag, den 4. September. Der Vorhalt: Tir. 26, Int. HI. 
Vorberatung Mem. September 1. 

3) Sturm an Bat: (September 6. AA 567) die Prediger und das 
Volk im Zaum zu halten. — Deich an Sturm; August 30. AA 569. 
„Am kaiserlichen Hof ist kundlich und offenbar, dass eine grosse 
Zweiung zwischen der Oberkeit der Stadt und ihrer Gemeind sein 
soll ... das giebt grosse Hoffnung einer leichtlichen Eroberung und 
Einnehmung der Stadt, wo man sich anders der Kais. Mt. Willen 
und Begehren widersetzet."' — Mem. August 29: den Predigern be- 
fohlen, die „uimützen Reden" zu lassen, „die nichts anders bringen, 
demi das Volk wider Papst, König und Kaiser zu hetzen, demi em 
Rat woll das nicht mehr haben.'' Auch gegen die Prediger kam es 
zu Tliätlichkeiten: Mem. August 31: Fagius wurde unter Hinweis 
auf seine aufrülirerischen Reden auf dem Jung - St. - Peterskirchhof 
beinahe zu Boden geschlagen, weil er gesagt haben sollte: es sei 
ihm um nichts anderes zu thun, „als dass man diesen Rat absetzte 
und einen anderen christlichen Rat setzte." — Verantwortung der 
Prediger vor dem Rat: Mem. September 5. — Unnütze Reden der 
Bürger: Mem. August 28, September 10. — Schmähschriften gegen 
den Rat: Mem. September 15. 

3 



\ 



34 

Liste zählt 84 Parteien auf, die bis zum 28. August ihr 
Bürgerrecht aufsagten. Die grösste Anzahl derselben 
gehörte den adeligen und begüterten Grund- und Kauf- 
herrenfamilien an, ja es waren eine beträchtliche Zahl 
von Eegimentsherren darunter: 2 vom Rat, 5 Fünfzehner, 
1 Dreizehner und 3 Städtmeister, zugleich Dreizehner und 
Fünfzehner: Mülnheims und Zorns, Böcklins und Sturms, 
Neffen Jakob Sturms, Rehlingers, Ingolds, Prechters und 
viele andere:, deren Namen im Reiche bekannt und an- 
gesehen waren. Der Rat suchte seine hochgestellten Mit- 
bürger zum Bleiben zu bewegen: nicht immer mit Erfolg, 
wie denn Friedrich von Gottesheim, der erst kürzlich als 
Gesandter am kaiserlichen Hofe gewesen war, trotz aller 
Vorstellungen die Stadt verliess. Manchem wurde es doch 
zu heiss , als die Menge sein Haus zu zerstören oder ihn 
selbst über die Mauer zu hängen drohte, Avenn der Kaiser 
die Stadt belagern wlirde.'^) Die meisten aber wollten 
sich vor dem Verlust ihrer Güter schützen, die als Grund- 
eigentum, Ware oder Geld zunächst gefährdet waren, 
wenn die Stadt der Acht verfiel, bevor jene ihr Schicksal 
von dem Strassburgs getrennt hatten. 

Sturm und Gremp holten den Kaiser auf der Reise 
nach den Niederlanden in Mainz '^) ein und folgten ihm 



1) Das Verzeichnis bei J. M. Pastorius: Kurze Abhandlung von 
den Ammeistern der Stadt Strassburg 1761 p. 169 f.; handschriftlich: 

Tir. 25, Int. 2. 

2) Mem. August 28: Wolf und Ulmann Böcklin antworten auf 
die Bitte des Rats, mit der Aufkündigung des Bürgerrechts zu 
warten, es seien ihnen viele Warnungen zugekommen, ,man werde 
sie zur Mauern aushenken, wo der Kaiser die Stadt belagere. Item, 
die Prädikanten hetzen zur Unruhe, wie sie bei den Schöffen gehi)rt. 
3. haben sie ihre Güter draussen, können und wollen nicht bleiben." 
In demselben Simie äussern sich andere. 

Friedrich von Gottesheim erwidert aut die Bitten des Rats: er 
könne nicht nachgeben, es werde wie mit Konstanz gehen und er um 
Gut und Blut kommen. „Hab selbst nach Wegen gedacht, könnt's 
aber nicht finden." Mem. August 31. 

3) Ges. an Rat. September 6. AA 567. 



i 



35 



bis Köln, wo sie am 8. und 10. September in feierlicher 
Audienz empfangen wurden. 

An dem Tage, da die Frist ablief, überreichten die 
Gesandten die Antwort des Eates und trugen die Ent- 
schuldigungen über das üble Verhalten der Bürgerschaft 
vor, die der Rat für notwendig erachtet hatte, und über die 
angeblichen Beziehungen der Stadt zu Frankreich. Jenes 
erklärten sie als eine Folge der prahlerischen Reden und 
des unmenschlichen Verfahrens der kaiserlichen Soldaten 
in den Dörfern der Umgegend, diese leugneten sie als 
leere Verdächtigungen, denen gegenüber sie nachdrücklich 
versicherten, dass Strassburg bei der Aussöhnung und dem 
schuldigen Gehorsam gegen den Kaiser verharren würde. ^) 
Karl beschied die Gesandten zwei Tage später, am 10. Sep- 
tember -), erklärte sich mit der Einführung des Interims 
durch den Bischof einverstanden, nicht aber mit der Be- 
schränkung derselben auf einen Teil der Kirchen. Fin- 
den Fall, dass sich über die Ausführung der Verordnung 
Streitigkeiten zwischen Stadt und Bischof erheben wiirden, 
erbot sich der Kaiser zu geneigter Vermittlung. Auch 
diesmal bestand er auf der Verbindlichkeit des Interims 
und aller darauf bezüglichen Verhandlungen und Beschlüsse 
des verflossenen Reichstags für Strassburg und schloss 



') Aufzeichnung über die Audienz vom 8. September, Tir. 26, 
Int. I, 3. — Instruktion des Rats für die Gesandten: P. r B. 198. — 
Der Rat habe bisher die Bürgerschaft so wohl im Zaum gehalten, 
„dass bisher kein Aufstand erfolgt, und ob Gott will, hinfür keiner 
nicht folgen soll." — Mem. August 31. 

^) Abschied des Kaisers. P. r. B. 208. Einen ausführlichen Bericht 
über die Verhandlung des Kaisers mit Sturm sandte September 19 
Marillac an Heinrich II. Marillac, der seine Kenntnis einem Augen- 
zeugen und einem anderen, der die Sache von Sturm gehört hat, ver-- 
dankt, giebt die Verhandlung gut wieder. Er behauptet, Sturm „fut 
ouy bien au long dudit Seigneur, et plus gracieusement qu'il n'avait 
encore ete", und dass der Kaiser den Gesandten geraten, ^qu'ils y 
advisassent mieux et deliberassent, sans s'etaindre plus avant ni user 
des menaces dont il avait ci-devant us^." Druffel I, S. 158, 159. 

3* 



ti ,; 



36 



seine Ansprache mit der ernsten Mahnung, er hoffe, „der 
Rat zu Strassbiirg werd es nochmals, unangesehen ihrer 
jetzt fürgescUagenen Mässigung bei Ihrer Kaiser!. Mt. 
jüngstbeschehenem Fürschlag und Begehren, aus schuldiger 
Pflicht, auch sonderlich in Bedenkung der gnädigsten Aus- 
söhnung, so ihnen neulicher Weis von Ihrer Kaiserl. Mt. 
gestattet worden, unterthänigst bleiben lassen und dem 
selben gehorsamst geleben; auch also den Bischof als 
Ordinarium an Verrichtung seines Amts nicht verhindern 
und der Klerisei daselbst notwendigen Schirm und Sicher- 
heit halten/'») 

Die Entscheidung des Kaisers überzeugte den Bat, 



1) P. r. B. 209: „Denn dass sie bewilligen, dass der Bischof von 
Strassburg samt seinen zugehörigen Geistliehen das Interim daselbst 
anrichten luid in das Werk zu fürdcrlichster Gelegenheit bringen 
mög, das ist Ihrer Majestät der Billigkeit nach gar nicht zuwider, 
sondern mögen Ihr Mt. wohl leiden, dass solch Interim auf die beiden 
Wege, so darinnen vorgeschlagen, durch gemeldeten Bischof, als den 
nicht allein Ihr. Kais. Mt., sondern auch derselben hochlöbliche Vor- 
fahren je und allweg, auch sie, die von Strassburg selbst vor dieser Zeit 
für den rechten Ordinarium der geistlichen Obrigkeit in der Stadt 
Strassburg gehalten, wirklich angestellt werd. Und ob je in dem- 
selben etwas Verhinderung, Zweifel, Miss Verständnis, solche An- 
stellung und Exekution betreffend fürfallen möcht, so war Ihr Mt. 
mit allen Gnaden erbötig, in gleichem Fall, wie bei andern Städten 
auch geschehen, gnädigster Handlung deshalb pflegen zu lassen, und 
alle ungefährlichen Mängel, soviel Ihr Mt. ihrem habenden, kaiser- 
lichen Amt nach gebühren möcht, gnädigst zu erfüllen. Dass aber 
solches allein auf etliche Kirchen geraässiget, und daneben in etlich 
ander Kirchen etlich ander Lehr und Ceremonien, so Ihrer Mt. aus- 
gegangnem Interim . . zuwider geprediget, gehalten und geduldet 
werden sollten, dessen hat Ihr Mt. aus vielerlei und vornehmlich aus 
dreien namhaften Ursachen ein beschwerliches Nachgedenken :* 

1. würde der Rat, als die weltliche und geringere Obrigkeit sich in 
Religions- und Glaubenssachen selbst Mass und Ordimng geben, 

2. würde es eine Absonderung von Kaiser und Reich sein, 3. ein 
Wortbruch der Stadt, die versprochen, der Entscheidung eines allge- 
meinen, oder nationalen Konziliums oder einer Reichsversammlung 
sich zu unterwerfen. 



37 

dass weitere Zugeständnisse nicht zu erlangen sein würden.^) 
Er begann daher Verhandlungen mit Bischof P^rasmus von 
Strassburg, der schon mehrmals die Hand dazu geboten 
hatte. 



1) Bedenken der Verordneten über des Kaisers Abschied. Sep- 
tember 29. P. r. B. 221. —Bericht der Gesandten im Rat: Mein. 
September 22. 



Vita. 



X ,1,1 V/ O t,' 1,1 . 



Natus sum Ludovicus Bleeck Eerolini die G. inoiisis 
Septembris anni 1869 patre Ludovico, matre Hedwiga e 
geute Bartz. Fidei adscriptus sum evangelicae. Litterariim 
elementis in gymnasio regio Guilelmo Berolinensi instructus 
autumno anni 1888 maturus renuntiatus sum. Civis aca- 
demicus per sex menses universitatis Lipsiensis tum per 
idem temporis spatium Friburgensis studiis pliilosophicis, 
historicis, iuridicis operam dedi. Secundi anni initio Bero- 
linum reversus per duos annos praecipue studiis historicis, 
nee non politicis et oeconomicis incubui. 

Docuerunt me vv. dd. Lipsiae: Arndt, Friedberg, 
Maurenbrecher, Warschauer; Friburgi: Eiselen, Fabricius, 
Heyck, Kiehl, Rosin, de Simson; Berolini: Brunner, Dambach, 
Ebbinghaus, Koser, Lenz, Löwenfeld, Marcks, Schmoller, 
de Treitschke. 

Exercitationibus ut interessem, Arndt, Ileyck, Marcks 
per sex, Lenz, Löwenfeld per duodecim, Koser per duo- 
deviginti menses benigne concesserunt. 

Quibus Omnibus viris, quorum ex numero Löwenfeld 
et Maurenbrecher mortuos lugeo, gratias ago quam maximas, 
praecipuas vero Maximiliano Lenz, cuius consiliis in studiis 
meis egregie adiutus sum. 



1. Die Depeschen Mocenigos sind keine Quelle ersten Ranges für 

die Geschichte des schmalkaldischen Krieges. 

2. Strassburg hat in den Jahren 1548 und 1549, gemäss der im März 

1547 gegen Karl V. eingegangenen Verpflichtung, keine Be- 
ziehungen zum französischen Hofe unterhalten. 

3. Die Gesandtschaftsbericlite vom französischen Hof aus dem Jahre 

1572 haben für die Geschiclite der Bartholomäusnacht nicht 
den hohen Wert, welchen H. Baumgarten ihnen beilegt. 

4. Die Verbindung Marie-Antoinettes mit Mirabeau war seitens dei' 
Königin nicht aufrichtig: oremeint. 



'o »' 



5. Die „Bauernbefreiung" in Preussen war bis 1806 fast ausschliess- 

lich auf die königlichen Domänen beschränkt. 

6. König Friedrich Wilhelm HI. hat an der Reorganisation des 

preussischen Staates nach dem Zusammenbruch von 1806 keinen 
selbständigen Anteil genommen. 

7. Das Hauptverdienst an dem Wechsel der preussischen Politik im 

Winter 1812/13 gebührt dem Staatskanzler v. Hardenl)erg. 






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